Verdi, Ouvertüre zur Oper »Die Macht des Schicksals«
Respighi, Huntingtower
Ellerby, Dona Nobis Pacem
*
Wood, Mexican Pictures
Turina, La Procession du Rocio
Reed, El Camino Real
Leitung: Michael Kummer
6. März 1998, Aula des Gymnasiums Gilching
7. März 1998, Hotel Post, Bad Wiessee
8. März 1998, München, Kulturzentrum Gasteig, Carl-Orff-Saal
Beginn jeweils 20 Uhr
Kartenbestellung bei
Helge Dyk, Tel: (089) 66 11 44
oder Telefax: +49 89 66 47 81
oder via eMail
kummer@muc.de
Der Titel von Verdis großer Oper zog sich durch die Programmgestaltung,
wenn auch nicht im ursprünglichen Sinne eben dieser. Schließlich
können die Wendungen des Schicksals sich in vielerlei Hinsicht
entwickeln und neben fatalen sind ja durchaus auch glückbringende
und freundliche möglich. Und so zieht sich der Spannungsbogen
der präsentierten Kompositionen trotz mancher Verstrickungen letztendlich
triumpfal zum Positiven, ja Euphorischen hin.
Verdis Oper entstand 1862 für St. Petersburg nach einem Textbuch
von Francesco Maria Piave und wurde 1865 nochmals für Mailand
vom Komponisten überarbeitet und in die Fassung gebracht, die
heute überwiegend aufgeführt wird. In Deutschland zunächst wenig
beachtet, hat sich die Oper erst in der Textfassung von Franz
Werfel aus dem Jahre 1926 durchgesetzt. Schuld daran ist sicher
die wirre Szenenfolge, die den berühmten Tenor Leo Slezak zu der
Aussage brachte, er habe trotz mehrfachem Singen der Hauptpartie
immer noch nicht verstanden, um was es bei der ganzen Sache eigentlich
ginge. Wie dem auch sei, Tatsache ist, daß die Mailänder Fassung
eine Sinfonia betitelte Ouvertüre aufweist, die zu den wenigen Exeplaren aus Verdis Feder zählt
und ohne Zweifel als Meisterwerk zu werten ist. Unvergessen bleibt
die phänomenale Interpretation Arturo Toscaninis, der diesem Stück
eine zwingende, schicksalshafte Linie ohnegleichen gab, ohne die
versöhnlichen, ja im Grundtenor hochgradig optimistischen Töne
nicht ebenso deutlich aufzuzeigen.
Ottorino Rhespighi zählt zu wenigen großen Sinfonikern Italiens,
dem Land das für viele ausschließlich der Pflege der Gesangskultur
verbunden war. Unglücklicherweise wurde er in seinen letzten Lebensjahren
mehr und mehr zum Aushänge- und Vorzeigekomponisten des Fascismo
Benito Mussolinis, was der Verbreitung und Pflege seiner Werke
nach dem Ende dieser unglücklichen Ära sehr geschadet hat. Unzweifelhaft
sind seine Antique Danze ed Arie und seine drei Zyklen sinfonischer
Dichtungen, der Pini, Fontane und Feste romane Meisterwerke höchsten
Formates, die im Repertoire keines der Orchester von Weltgeltung
fehlen dürfen. Im Jahre 1930 erhielt Rhespighi auf einer USA-Tournée
vom bedeutenden Exponenten der amerikanischen Band-Bewegung Edwin
Franko Goldman und der American Bandmaster Association ABA den
Auftrag für die Ballade Huntingtower. Zur Aufführung kam das Werk schließlich am 17. April 1932 anläßlich
eines Gedenkkonzertes für John Philip Sousa in Washington D.C.
durch die United States Marine Band, bei welchem auch Holsts
Meisterwerk Hammersmith zum ersten Male erklang. Über die Hintergründe
des Werkes wissen wir wenig, bekannt ist lediglich, daß der Namensgeber
ein schottisches Schloß ist, in dem Rhespighi einige Zeit weilte
und dessen Eindrücke von Gebäude und Landschaft sicher das Werk
inspirierten. Auch hier ist der Zug zu düsteren, schicksalshaften
Klängen immanent und wie in Verdis Werk taucht auch hier eine
Wendung ins Glückhafte auf, allerdings um danach wieder in die
ursprüngliche Haltung zurück zu verfallen.
Das dritte Werk des ersten Teiles ist eine aktuelle Schöpfung
des Briten Martin Ellerby und wurde vom Birmingham Schools Wind
Orchestra anläßlich des 50. Jahrestages des Endes des 2. Weltkrieges
in Europa in Auftrag gegeben und in dieser Stadt am 22. Mai 1995
zum ersten Male gespielt. Mit 15 MInuten und in 5 ineinander übergehende
Teile groß angelegt, ist Dona Nobis Pacem eine eindringliche Hymne des Friedens. Die Titel zweier Abschnitte
beziehen sich auf monumentale Memoiren-Werk Winston Churchills,
The Second World War, wobei der erste The Gathering Storm
die zunehmende Spannung und den unvermeidlichen Konflikt im Überlebenskampf
der Menschlichkeit und der zweite Triumph and Tragedy den siegreichen
Ausgang als Ende einer unsäglichen Tragödie beschreiben. Besonders
stimmungsvoll sind die die zwei Zitate des Bach-Chorales O Haupt
voll Blut und Wunden an den dramatischen Schaltstellen des Werkes
und der Piano-Schluß mit den in den Frauenstimmen gesungenen Worten
Dona Nobis Pacem über einem gehaltenen Es-Dur Klang der Posaunen.
Ein weiterer Engländer kommt zu Beginn des zweiten Abschnittes
zu Wort - Gareth Wood mit Three Mexican Pictures, welches 1990 für die Bromley Youth Concert Band entstanden ist.
Der erste der drei Sätze ist betitelt Aztec und schildert mit
eindringlichen Klängen ein altes heidnisches Ritual, bei dem eine
Prinzessin geopfert wird, um die Götter zu versöhnen. Maya, der
ruhigere Mittelsatz, ist eine phantastische Naturschilderung des
Urwaldes mit ihren grandiosen, halb verfallenen Tempelanlagen
längst vergangener Zeiten. Der dritte Satz Spanish schildert
furios das heutige Leben mit vorwärts stürmenden Tanz-Rhythmen
und leuchtenden Farben.
Der Spanier Joaquin Turina war Kompositionsschüler der Debussy-Zeitgenossen
und Impressionisten Vincent dIndy im Paris des beginnenden 20.
Jahrhunderts. Bald entwickelte er einen ausgeprägt spanischen
Tonfall in seiner Klangsprache, was sich in einem seiner ersten
großen Werke, La Procession du Rocio deutlich niederschlug. Turinas originale Partitur für Symphonie-Orchester
enthält die folgende Beschreibung aus seiner eigenen Feder: Jedes Jahr im Monat Juni findet in Triana, einem Ortsteil von
Sevilla, eine Fiesta statt, die Prozession des Taues genannt wird
und an der die einflußreichsten Familien teilnehmen. Sie fahren
dabei mit ihren Kutschen hinter einem Bild der Jungfrau Maria,
das auf einem goldenen Wagen von Ochsen gezogen wird unter den
Klängen festlicher Musik her. Das einfache Volk tanzt hierzu den
Soleare oder die Sequidilla. Ein Trunkenvbold entzündet Feuerwerkskörper
und verstärkt damit das Durcheinander. Der Klang von Flöten und
Trommeln kündigt die Prozession an und beendet das Tanzen. Man
hört eine religiöse Melodie die sich mit den Klängen der Kirchenglocken
und dem königlichen Marsch vermischt. Die Prozession zieht vorbei
und die Tanzmusikklänge kehren wieder, um sich allmählich zu zerstreuen.
Am Schluß des Programmes 1998 erklingt wieder einmal ein Werk
des mittlerweile auch bei uns sehr populären Amerikaners Alfred
Reed. Schon 1985 schrieb er El Camino Real - frei übersetzt die Straße des Königs für die 581st Air Force
Band der USA und trägt den Untertitel eine iberische Fantasie.
Die sprühend lebendige Musik basiert durchweg auf einer Reihe
von Akkord-Fortschreitungen, die von einer ungezählten Menge von
Flamenco Gitarristen immer und immer wieder verwendet worden ist
und Millionen von Musikliebhabern auf der ganzen Welt in ihren
Bann gezogen haben. Reed verwendet die traditionellen Tanzformen
des Jota und des Fandango und schafft damit die Voraussetzungen
für einen fulminanten Abschluß des diesjährigen Konzertes.
Grünwald 01.12.1997, -mk